09 Feb 2026
Tags: frankreich, Bretagne, Küste, Europa, kultur
Inspiriert vom Meer
Mit ihrer Weite, ihren Farben und ihren Lichtspielen wird die Bretagne im 19. Jahrhundert zum Sehnsuchtsort für Künstler, die der Enge großer Städte wie Paris entkommen wollen. Tragbare Staffeleien und die ersten Malfarben in Tuben machen das Reisen für Maler einfacher und binden sie nicht mehr an ihre Ateliers. Durch die Anbindung der Region an das Eisenbahnnetz im Jahr 1862 wurde die Bretagne zudem zugänglicher und bereits ab der Mitte des Jahrhunderts ließen sich Maler, Dichter und Schriftsteller von der rauen, einsamen Landschaft der Bretagne inspirieren, ein starker Kontrast zu den belebten Pariser Boulevards. Paul Gauguin, das Ehepaar Sérusier, Émile Bernard, Claude Monet und Pablo Picasso sind einige der bekanntesten Künstlernamen, die ihre Muse in der Bretagne fanden. Folgen Sie uns an ihre Orte, wo Sonne, Wind und Gischt die schönsten Farbspiele in den Himmel malen und sich Licht und Landschaft im Rhythmus de Gezeiten ständig verändern.
Auf Claude Monets Spuren in der Bretagne
Von September bis November 1886 hielt der weltbekannte Begründer des Impressionismus, dessen Todestag sich 2026 zum 100. Mal jährt, die buchstäbliche Schönheit von Belle-Ile, der größten Insel der Bretagne, auf Leinwand fest. Besonders bekannt sind seine Bilder von den schroffen Felsnadeln „Aiguilles de Port-Coton“ im Südwesten der Insel: Gebannt von der Wildheit der Küste und dem sich ständig verändernden Licht im Herbst und Winter malte Claude Monet während seiner Zeit auf der Insel insgesamt stolze 39 Gemälde. Heute lassen sich viele Orte, die den Maler vor fast 140 Jahren zum Pinsel greifen ließen, zu Fuß oder mit dem Rad besichtigen. Wer keinen der inspirierenden Orte verpassen will, dem ist eine Rundwanderung auf dem Küstenpfad GR®340 zu empfehlen. Als Verlängerung des Zöllnerpfads GR®34, der entlang der gesamten Küste der Bretagne führt, schlängelt er sich auf 80 Kilometern an der rauen Südküste und dem sanfteren, besiedelten Norden entlang und ist in vier bis fünf Tagen gut zu laufen. Besonders im Herbst lässt sich Monets Inspiration gut nachempfinden, da der Künstler ebenfalls zu dieser Jahreszeit auf der Insel weilte.
Neues Gauguin-Museum in Le Pouldu
Im Juli 2025 eröffnete in Le Pouldu das Interpretationszentrum „Gauguin, l'atelier du Pouldu“. Paul Gaugin besuchte den kleinen Hafenort im Süden der Bretagne regelmäßig, zu vielen seiner Gemälde fand er hier seine Inspiration. Für die Unterkunft fiel seine Wahl bei jedem Besuch auf die Herberge Buvette de la Plage, in der heute das immersive Interpretationszentrum auf sieben Etappen das Leben des Künstlers in der Bretagne nachzeichnet und die Entstehung des von Gauguin geprägten Synthetismus beleuchtet. Die Besuchenden begleiten den Maler auf eine Zugfahrt von Paris nach Le Pouldu, widersetzen sich dem Wind in stürmischen Landschaften oder erleben den Alltag im Dorf. All diese Szenen finden sich in Gauguins Gemälden wieder und werden im zentralen Ausstellungsraum virtuell vereint. Neben allen Werken, die Gauguin in Le Pouldu schuf, werden hier auch Gemälde von Künstlerkollegen wie Paul Sérusier, Jacob Meijer de Haan und Charles Filiger gezeigt.
Châteauneuf-du-Faou eröffnet Museum für Marguerite und Paul Sérusier
In Châteauneuf-du-Faou nordöstlich von Quimper öffnete im Juni 2025 das Musée Sérusier seine Türen. In zwei Häusern aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Dauerausstellung über 100 Werke des Künstlerehepaars Marguerite und Paul Sérusier. Viele Gemälde der Sérusiers sind inspiriert von den das Dorf umgebenden hügeligen, mystischen Landschaften. Nach seiner ersten Bretagnereise im Jahr 1888 gründete Paul Sérusier die dem Post-Impressionismus zugeordnete Künstlergruppe Nabis, deren Arbeiten sich durch innovative Bildkompositionen und unterschiedliche Medien wie Textilien oder Möbel auszeichnen. 1893 entdeckte Paul Sérusier Châteauneuf-du-Faou und verbrachte dort viele Sommer, bis er sich 1906 dort niederließ. Nach der Hochzeit 1912 zog Marguerite zu ihm. Das Leben und Schaffen des Künstlerpaars im Dorf, Pauls Anfänge als Künstler und sein Werk als Teil von Nabis zeigt die multimediale Ausstellung des Museums in Gemälden, Skizzen und Dokumenten.